Was machen wir hier eigentlich?

Wir feiern das Leben, zelebrieren das gute Wetter, freuen uns über Sonnenuntergänge, tanzen zur Musik, leben den Moment, sind positiv und zwar so positiv, dass das Leben einem Waschgang mit zu viel Weichspüler gleicht. Trennungen und Schmerz verkraften wir dank Schokolade. Gesund werden wir durch Shakes, arbeiten und Verantwortung sind irgendwie total 90er und eigentlich lebt es sich jetzt nur noch als Flexitarier und fahrradfahrend besser. 

Ich möchte damit in keiner Weise jene Menschen angreifen, die sich in einem oder sogar allem wiedererkennen.

Leben und leben lassen.

Doch leider vergessen dabei über die Hälfte (ehrlich gesagt eine grobe Schätzung), dass uns nicht 24/7 die Sonne aus dem Hintern scheint und sie es auch nicht machen wird durch den täglichen Konsum von Regenbögen und Konfetti. Stellt euch vor, ihr sitzt auf dem Schulhof und tauscht mit eurer besten Freundin Aufkleber aus dem Stickeralbum. Jaha, das ist längst Vergangenheit – heute tauscht man Followerzahlen und Statistiken. Auch im Alter von 12 ist das bereits ein Thema. Wie also wieder zurück zur Normalität? Zurück zum Wesentlichen? Wie soll demnächst die Definition von Authentizität im Duden lauten: bedeutet „Aufgesetzt“ im Sinne von „nah am Original“? 

Jetzt mal Butter bei die Fische: Bloggen, schreiben und Texten das sind kreative Berufe die nichts mit einem Emoji & Hashtag unter einem Bild gemeinsam haben. Und wusstet ihr, dass Influencer auch bereits vor Jahrzehnten existierten? Die nannte man damals nämlich noch „Meinungsmacher“ nur ohne Glitzer & Tamtam. Selbst Tante Erna, die ihrer Freundin ein Waschmittel empfiehlt ist bereits ein Influencer, denn sie hat eine Meinung. Mit dem Unterschied, dass sie meistens deswegen etwas empfiehlt, weil sie es selbst gekauft und benutzt hat. 

Das klingt jetzt alles echt bad, irgendwie nicht positiv und verbreitet schlechte Vibes.

Soll es gar nicht. Aber Freunde, die Wahrheit ist leider manchmal alles andere als rosa-rot. Letztendlich bin ich eigentlich nur der Meinung, dass man die Welt im Social Network auch ein wenig weniger filtern darf und auch echte Themen und Probleme ansprechen muss. Denn ansonsten bleiben der Generation Z nicht mehr viele Möglichkeiten als zu glauben, dass ein Luxusleben fernab der Realität normal sei, dass man dafür eigentlich nicht arbeiten muss und dass sich das Geld quasi von alleine verdient. Durchaus eine schwammige Zukunft, in welcher Probleme über what’s app geklärt werden, Mütter am Telefon nicht mehr sagen können „Lisa ist gerade leider nicht Zuhause“ und Väter bei all den Anfragen über Tinder, Lovoo, Instagram, Facebook, Snapchat und YouTube gar nicht mehr wissen wovor sie ihr kleines Mädchen zuerst schützen sollen.

Bringen wir jedoch etwas mehr „Ehrlichkeit“ zurück, zeigen uns verletzlich (wenn damit auch manchmal angreifbar), dann sind wir keine Übermenschen sondern eher die Freundin von nebenan und dürfen uns am Ende auch als – Echtheit, im Sinne von „als Original befunden“ – betiteln.

4 Kommentare

  1. 24. Juli 2018 / 12:39

    Word!!!! Absolut wahr!! Danke für diesen Beitrag liebe Kate. Ich sehe das absolut genauso wie Du. Ich bin so froh, dass ich noch in einer anderen Welt “groß geworden” bin. Und wir “Influencer” bzw. Vorbilder sollten mehr dafür tun, dass diese rosarote Scheinwelt nicht Überhand nimmt!
    Fühl Dich gedrückt ♥

    • 24. Juli 2018 / 14:57

      Danke für deine Worte, das sehe ich ebenfalls so. Es muss doch einen Weg geben, den Charme von Festnetz und Kassetten in irgendeiner Art und Weise wieder zurückzuholen.😉

  2. Nicole Jasmin Werhausen
    24. Juli 2018 / 14:38

    Verantwortung und Leistungsbereitschaft sind für mich und mein Unternehmen DIE Kernwerte. Und ja, dank der Glitzerwelt – auch auf social media – fällt es immer schwerer, dies den jüngeren Generationen zu vermitteln, geschweigedenn sie dafür zu begeistern.

    Es gelingt – mit Freude an der eigenen Berufung – aber eben auch dem Schweiß, der dazu gehört.

    • 24. Juli 2018 / 14:59

      Liebe Nicole, gerade Verantwortung ist ein großes Thema geworden.
      Vielleicht ist die, die man den Jüngeren wieder etwas schmackhafter machen muss?
      Und jeder Traum, den man sich verwirklicht geht in irgendwie erst einmal unbequeme Umwege…
      Lieben Gruß
      Kate

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