Influencer – Traumjob oder Alptraum?

„Wenn ich groß bin werde ich Influencer.“ Mittlerweile ein oft gehörter Wunsch junger Menschen. „Dafür brauche ich nicht viel, außer ein Handy und den passenden Filter.“ Aus dieser Sicht ist es, ehrlich gesagt kein Wunder, dass viele diesen „Beruf“ verhöhnen, nicht ernst nehmen oder sogar nicht anerkennen. Doch die Wahrheit hinter dem Social Media Business sieht tatsächlich anders aus. Erst einmal benötigt man ein Konzept. Stellt man sich selbst dar, ist man seine eigene Marke. Marken die groß und bekannt werden möchten benötigen mehr als ein ansehnliches Packaging. Der Aufbau einer Brand benötigt Organisation, Biss, Persönlichkeit, einen Mehrwert, Kreativität und im Zweifel eine Reihe von „Neuerfindungen“, Optimierungen, einen Vertrieb und jede Menge Marketing. Jetzt kannst du anfangen darüber nachzudenken ein „Berufsinfluencer“ zu werden. Zunächst arbeitest du für die Reichweite und verdienst keinen einzigen Cent mit der Platzierung von Produkten. Du steckst also eine Menge Arbeit in deine Marke die sich, wenn du lange genug durchhältst, auszahlt. Hast du dann eine relevante Reichweite erlangt, schreibst du Unternehmen an, stellst Ihnen deine Marke (also dich) und dein Konzept vor. Anhand deiner Arbeitsleistung und Reichweite errechnest du deinen Preis. Hierbei helfen Dir die Instagram Statistiken und viele weitere Zusatzprogramme. Deine Brand steht, dein Marketing scharrt mit den Hufen und der Vertrieb will von der Leine gelassen werden. 

Klingt bis hier wie ein richtiger Beruf, sollte meines Erachtens auch so behandelt werden. Doch leider vergessen Unternehmen häufig, dass hinter dem Kanal ein echter Mensch steckt, der erfolgreich ist, weil er sein Inneres nach außen kehrt, Präsenz zeigt die dann der Marke zu gute kommen kann. Nach und nach senden die Firmen und PR-Agenturen Anfragen, möchten mit Dir kooperieren. Bieten Dir unendlich viele Freiprodukte aber Budget ist natürlich nicht vorhanden. Jetzt gehen wir noch mal zurück zum Anfang: Organisation, Marketing, Vertrieb…du erinnerst dich? Ich frage mich dann immer, ob die Person auf der anderen Seite des Bildschirmes schon mal versucht hat mit Zahnpasta, Proteinpulver oder Handtaschen ihre Miete zu zahlen. Mit deinem Kanal erreichst du Menschen, wirbst für Produkte die im besten Fall zu dir passen und die du mit bestem Wissen und Gewissen vertreten kannst. Doch was den Job zum Alptraum werden lässt sind die unterschiedlichen Ansichten zwischen Influencer und Unternehmen. Für Firmen ganz klar und einleuchtend: für die klassischen Medien wie Print, TV und OOH muss Geld in die Hand genommen werden. Aber diese Medien werden oft von großen Agenturen vertreten und sind dementsprechend ernst zu nehmen. Was ist jetzt also ratsam? Verhandlungsgeschick? Eher ein klares Statement. Du buchst mich und meine Reichweite, ich erstelle Inhalte für deine Marke / dein Unternehmen, verschaffe dir Aufmerksamkeit und rege deinen Abverkauf an oder gebe deiner Marke ein Gesicht. Nehmen wir als Beispiel: Haarshampoo. Eine Printanzeige emotionalisiert deine Marke nicht, sie ruft diese in Erinnerung. Ein Influencer, der dein Shampoo nutzt, in der Story beschreibt wie es riecht, es anwendet und der Community direktes positives Feedback gibt, schafft eine Stimmung und transportiert echte Emotionen. Emotionen lösen etwas in dir aus, du brauchst jetzt auch unbedingt dieses Shampoo. Steigerst somit also den Abverkauf. Also ja, ernstzunehmender Job. 

Bietet ein Unternehmen eine Vergütung für deine Leistungen, werden dir auch direkt Vertrag und Briefing gesendet. Es gibt dann seitens der Firmen oder Agenturen klare Vorgaben zu deinen zu erstellenden Inhalten und Postingzeiträumen. Dazu kommen Abstimmungsschleifen und anschließende Reportings. Was allerdings wieder nicht in den Verträgen vermerkt ist, dass der Influencer eine Dienstleistung erbringt, Reichweite generiert und somit wohl ernst zu nehmen ist. Du erledigst, im besten Fall, deinen Job gewissenhaft. Deine Vergütung jedoch, wird dir nach Rechnungsstellung einfach nicht bezahlt. Du hakst mehrfach nach. Nach mehreren Wochen oder sogar Monaten erhältst du dann deine Bezahlung. In der Zwischenzeit bist du dabei dir zu  überlegen, wie viele Zahnpastatuben du wohl verkaufen musst um deine Miete zahlen zu können.

Wie in jeder Beziehung ist auch dieses Business ein „geben und ein nehmen“. Würdest du eine Beziehung eingehen, die du nicht ernst nehmen kannst? Nein, also nehmen wir jetzt mal an das Influencer dasein kann in seiner Gesamtheit von flexiblen Arbeitszeiten, Homeoffice, Eigenorganisation und netzwerken ein Traumjob sein. Wenn wir alle von Reichweiten und Persönlichkeiten profitieren wollen, sollten wir auch anfangen diese dementsprechend zu behandeln und entlohnen.

Mir war es wichtig auch einmal eine andere Perspektive des “Influencer-Daseins” aufzuzeigen, das nur weil mir dieser Job wichtig ist. Darüber hinaus gibt es natürlich auch eine ganze Reihe Agenturen und Firmen, die diesen Beruf ernst nehmen und den “Meinungsmacher” auch entsprechend behandeln.

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